Triple Ultra Triathlon 24.-26.07.2009 in Lensahn
"Wie kann man so etwas nur durchstehen? Du bist doch total verrückt." Fragen und Unterstellungen dieser Art musste ich mir nach meiner Anmeldung im Januar dieses Jahres für den Triple-Ironman öfter anhören. In der Tat will ich noch nicht mal abstreiten, dass ich ein wenig verrückt sein muss oder aber einfach nur eine neue Herausforderung suche. "Nachdem ich dreimal die einfache Distanz absolviert habe, kann ich doch auch einmal die dreifache Distanz in Angriff nehmen, oder?"
Bleibt noch die Frage zu klären, wie ich 11,4 KM schwimmen (228 Bahnen a 50 Meter), 540 KM Rad fahren (67 Runden a 8,05 KM) und 126,6 KM laufen (96 Runden a 1,319 KM) im schleswig-holsteinischen 5000-Seelen-Dorf Lensahn durchstehen soll. Für Leute, die dem Ultra-Triathlon-Sport nicht ganz so verbunden sind, sei gesagt, dass die Strecken am Stück absolviert werden. Pausen bzw. schlafen ist natürlich erlaubt. Die Zeit fließt jedoch in die Gesamtzeit ein, was dazu führt, dass die meisten Athleten gar nicht oder nur sehr wenig schlafen. Das Zeitlimit beträgt 58 Stunden.
Wie habe ich mich auf den Wettkampf vorbereitet? Kaum, da solche Distanzen im Training allein vom Zeitaufwand schwierig zu bewältigen sind. Ein einziges Mal schwamm ich 12 KM im Schwimmbad, um festzustellen, wie lange ich
dafür brauche und in welchen Abständen ich trinken muss. Einen Doppelmarathon absolvierte ich Anfang Juni, welcher auch meine längste Laufeinheit im Training bis dato ist. Als einziges Ziel habe ich mir "Ankommen, egal wie!" gesetzt.
Vor weniger als drei Wochen nahm ich am Ironman in Frankfurt teil. In der Folge trainiere ich kaum, sondern nutze die Zeit zur Regeneration und den Vorbereitungen rund um die Veranstaltung. In diesen Wochen trage ich mit Judith, einer befreundeten Triathletin und "guten Fee", Utensilien, die für ein erfolgreiches Abschneiden beim Wettkampf sowie für das Übernachten in der an die Laufstrecke angrenzenden Schule wichtig sind, zusammen. Mit einem bis unters Dach gefüllten Auto fahren wir am Montag die 600 KM gen Norden.
Die Tage bis zum Start vergehen schnell. Am Dienstag fahren wir zum Teil auch auf der Wettkampfstrecke Rad, kaufen noch Dinge für die Ernährung während des Triathlo
ns. Auch suche ich den Arzt noch für den vorgeschriebenen Dopingtest auf – der Hämatokrit-Wert wird vom Veranstalter verlangt.
Mittwochs gehen wir im gegenüberliegenden Schwimmbad ein paar Bahnen ziehen und abends im Vereinsheim essen. Der Siedlerbund, der sich auch während der Veranstaltung um die Verpflegung der Allgemeinheit kümmert, hat geladen. Viele Mitstreiter, die auch schon in den Tagen vor dem Start anreisten, treffen wir hier. In einer lockeren Athmosphäre kommt man schnell ins Gespräch.
Am Donnerstagmorgen findet die Wettkampfbesprechung im Schwimmbad statt. Hier treffe ich u.a. auf Michael Gärtner, den Präsident der IUTA, dem Verband der Ultra-Triathleten, sowie auf den Slowenen Matej Markovic, einem Senkrechtstarter in der Ultra-Triathlon-Szene; hatte er doch wenige Wochen zuvor in Ungarn den Doppel-Ironman gewonnen. Die Besprechung selbst verläuft unspektakulär. Es gibt zwar Regeln, aber die Teilnehmer der Ultra-Szene halten sich sowieso an diese, wie ich später noch feststellen werde. Kein Windschattenfahren, kein Abkürzen auf der Laufstrecke, was locker möglich wäre – ein jeder will die Distanz zurücklegen. Die benötigte Zeit steht bei den meisten nicht zwingend im Vordergrund.
Während der obligatorischen Pasta-Party am Abend bekommen wir von Wolfgang Kulow, dem Organisator, unsere Starterbeutel überreicht. Hierbei werden wir Athleten nach Ländern zusammengefasst aufgerufen, da die passende Nationalhymne gespielt wird. Abschließend lächeln nochmal alle fürs Gruppenfoto. Während des Essens lerne ich Martin Schytil kennen. Wie sich herausstellt sind wir fast Nachbarn; 500 Meter Luftlinie trennen unsere Domizile in Frankfurt. Die Welt ist eben doch klein.
Anschließend präpariere ich noch mein Rad und lege meine Sachen für den nächsten Morgen zurecht. Nochmals gehe ich mit Judith meine Verpflegung und die Rundenpläne durch. Um 23.00 Uhr ist Zapfenstreich.














